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Reisetipps

Weltreise planen #4 – Der Weg zum Arbeitsamt

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September 4, 2015

Du willst deinen Job kündigen und auf Weltreise gehen? Hier solltest du allerdings auf gar keinen Fall das Arbeitsamt vergessen. Der Weg dorthin ist ein wichtiger Schritt und du solltest ihn auf keinen Fall vernachlässigen. Da ich diese ganze Prozedur schon einmal hinter mich gebracht habe und unfreiwillig viel Zeit investieren musste (jeder sagt was anderes), kann ich Dir genau sagen wie du vorgehen musst. Eigentlich klingt alles weitaus komplizierter, als es nun im Endeffekt war.


Anspruch auf Arbeitslosengeld 1

Prinzipiell hat jede Person Anspruch auf 12 Monate Arbeitslosengeld I (ALG I), die in den letzen zwei Jahren vor der Arbeitslosmeldung, mindestens 12 Monate beschäftigt war. Bei Kündigung aufgrund einer Weltreise oder einem anderen, für das Amt „unwichtigen“ Grund, verringert sich dieser Anspruch auf 9 Monate. Dies ist der sogenannten „Sperrfrist“ zu verdanken. Offiziell heißt es:

„Eine Sperrzeit tritt ein, wenn Sie ohne wichtigen Grund Ihr Beschäftigungsverhältnis gelöst oder durch ein arbeitsvertragswidriges Verhalten Anlass für die Lösung des Beschäftigungsverhältnisses gegeben und dadurch die Arbeitslosigkeit vorsätzlich oder grob fahrlässig herbeigeführt haben“.

Wer also selbst schuld an der Auflösung der Arbeitsverhältnisses ist, muss mit dieser Sperrfrist von zwölf Wochen rechnen. Des Weiteren muss man sich innerhalb von drei Tagen nach Kündigung arbeitslos melden – auch wenn man keine Leistungen in Anspruch nehmen möchte. Es droht sonst eine weitere Woche Sperrzeit, insgesamt dann also 13 Wochen die man weniger ALG I bekommt (wenn man wieder zurück ist).

Um jedoch Arbeitslosengeld beziehen zu können, muss man aber auch tatsächlich arbeitssuchend sein. Da man während des Reisens logischerweise für den Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht, muss man nach der Arbeitlosenmeldung sich auch gleich wieder davon abmelden. Hört sich kompliziert an, ist aber eigentlich ganz einfach. Wichtig ist es, sich den Anspruch auf die Leistungen wie Arbeitslosengeld und Sozialversicherung zu wahren. Das macht man indem man sich tatsächlich für einen einzigen Tag arbeitssuchend meldet – und sich nach diesem Tag bei der Agentur für Arbeit wieder abmeldet. Blöderweise ist die Arbeitslosenmeldung gleichzeitig auch einen Antrag auf die dazugehörigen Leistungen. So muss man also auch die kompletten Unterlagen zur Beantragung von ALG I ausfüllen. Es spielt nämlich keine Rolle ob man sich für einen Tag, eine Woche oder ein Jahr arbeitssuchend meldet.


Besuch bei der Agentur für Arbeit – An- und Abmeldung

Mittlerweile kann man sich zwar auch online auf der Homepage des Bundesagentur für Arbeit arbeitssuchend melden, ich würde aber empfehlen sich persönlich vor Ort arbeitslos zu melden. Auch weil man so eigene Fragen klären kann und persönlichen Kontakt hat. Hierfür braucht man auch keinen Termin (zumindest brauchte ich keinen). Einfach mit Personalausweis oder Reisepass und Sozialversicherungsnummer zur zuständigen Agentur gehen, sich bei der Anmeldung melden und warten bis der Sachbearbeiter zum Gespräch aufruft.

Bei der Anmeldung wird neben den persönlichen Angaben auch der schulische und berufliche Werdegang abgefragt. Da man vorerst nicht vermittelt werden möchte, kann man diese Angaben zum Werdegang auslassen – logisch eigentlich. Dies holt man nach wenn man sich wieder beim Amt zurück meldet. Normalerweise sollte das Gespräch mit dem Sachbearbeiter keine 20 Minuten dauern. Er trägt die persönlichen Daten, das Datum der Kündigung, das Datum des ersten Tages der Arbeitslosigkeit und das Datum der gewünschten Abmeldung ein. Thats it!

Übrigens: Auch wenn man sich online arbeitslos meldet, bleibt einem der persönliche Besuch beim Amt nicht erspart! Deshalb lieber gleich persönlich erscheinen und alles auf einmal in die Wege leiten. Anschließend braucht man sich nur noch um folgende Formulare kümmern:

  • Beantragung des Arbeitslosengeldes (da es keine Rolle spielt wie lange man tatsächlich arbeitslos ist)
  • Fragen rund um die Kündigung (Warum wurde gekündigt, gab es keine Möglichkeit, die Kündigung zu vermeiden, lagen besondere Gründe wie Mobbing o.Ä. vor etc.)
  • Arbeitsbescheinigung für den (ehemaligen) Arbeitgeber

Diese Unterlagen sollten schnellstmöglich bei der Agentur der Arbeit eintreffen. Da keine Leistungen bezogen werden, müssen diese jedoch nicht unbedingt vor dem  Tag der Arbeitslosigkeit erfolgen.


Die wichtigsten Schritte im Überblick

  1. Job kündigen
  2. Anspruch auf Arbeitslosengeld wahren
  3. Innerhalb von 3 Tagen beim Amt für mind. 1 Tag arbeitssuchend melden
  4. 12 Wochen Sperrfrist, weil für das Amt eine Weltreise kein „wichtiger“ Grund ist. Pfff…
  5. beim Gespräch mit dem Sachbearbeiter den Tag der Arbeitslosigkeit und
  6. den Tag der Abmeldung vom Amt festlegen
  7. alle Formulare ausgefüllt der Agentur zukommen lassen
  8. Die schönste Zeit deines Lebens haben
  9. Anspruch auf ALG innerhalb von 4 Jahren geltend machen

Marcos Fall:

  • Kündigung am 16.06.2015
  • gekündigt auf den 30.09.2015.
  • Arbeitslosigkeitsmeldung beim Amt am 19.08.2015.

→ drei Monate Sperrfrist, da eigenständige Kündigung aus „unwichtigem“ Grund erfolgte.

→ eine weitere Woche Sperrfrist, da ich mich nach der Kündigung nicht innerhalb von drei Tagen arbeitslos gemeldet habe.

  • erster Tag der Arbeitslosigkeit 01.10.2015.
  • Tag der Abmeldung als Arbeitssuchender 02.10.2015.

→ Der 01.10. ist der eine Tag meiner Arbeitslosigkeit, dadurch sichere ich mir den Anspruch auf 39 Wochen ALG I für vier Jahre.

(1 Jahr ALG I = 52Wochen – 13 Wochen Sperrfrist =39 Wochen)

  • Reisebeginn 21.09.2015 (!)
  • Am Tag meiner Arbeitslosigkeit war ich also bereits unter Palmen
  • Eingang der Formulare muss nicht zwingend vor dem 01.10. geschehen, da keine Leistungen in Anspruch genommen werden.
  • Wegen den Sperrfristen insgesamt 13 Wochen weniger Anspruch auf ALG I.

Da ich persönlich vorstellig wurde, ist es kein Problem, dass ich an meinem Tag als „Arbeitsloser“ gar nicht mehr in Deutschland bin. Die Abmeldung ist bereits im System hinterlegt, ich muss mich dahingehend also um nichts mehr kümmern.

UPDATE: Bei diesem Punkt gibt es immer wieder widersprüchliche Aussagen von der Agentur! Auch ich hatte nach drei Telefonaten genau drei unterschiedliche Aussagen. Die Aussage, ich müsse am Tag der Arbeitslosigkeit nicht mehr in Deutschland sein, machte zur damaligen Zeit (September 2015) mein damaligen Sachbearbeiter. Da dieser Punkt ziemlich strittig ist, solltest du das unbedingt persönlich mit deinem/deiner Sachbearbeiter/in abklären!

Nachdem die Arbeitsbescheinigung von meinem Arbeitgeber ausgefüllt wurde, wurden die Formulare (in meiner Abwesenheit) von meinen Eltern an die Agentur verschickt. Die Daten werden in das System der Agentur für Arbeit eingepflegt und kann am Tag meiner Rückkehr nach Deutschland sofort abgerufen werden. Somit kann ich direkt am ersten Tag nach meiner Reise die Leistungen in Anspruch nehmen.– Du hast noch Fragen, andere Erfahrungen oder Kritik? Dann ab damit in die Kommentare!


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6 Comments
  1. Antworten

    Lara

    August 12, 2017

    Hi, super dass du das alles mit uns teilst.
    Ich hab jetzt nur noch nicht verstanden, warum ich mich beim Amt melden muss, damit wenn ich zurück komme und keinen Job habe ALG kriege? Ist das so richtig?

    • Antworten

      Komm' wir machen das einfach

      August 13, 2017

      Hey Lara!
      Du musst dich arbeitslos melden damit du nach deiner Rückkehr sofort ALG 1-Leistungen beziehen kannst, bis du wieder eine Arbeitsstelle gefunden hast. Ansonsten würdest du gleich ins sehr viel schlechtere Hartz4 rutschen. Die ALG1-Leistungen sicherst du dir eben mit einem einzigen Tag offizieller Arbeitslosigkeit.

      Liebe Grüße,
      Bolle

  2. Antworten

    Laura

    August 14, 2017

    Hallo ihr Lieben,
    der Post ist sehr hilfreich, habe ihn als Grundlage genommen und bei der Agentur für Arbeit angerufen. Mir wurde allerdings gesagt, dass das so nicht machbar ist, da man an dem Tag, an dem man arbeitslos ist, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen muss. Meint ihr, dass es bei euch eine Ausnahme war, oder dass es daran lag, dass ihr persönlich vor Ort wart oder ich einfach nur falsch beraten wurde? 😀
    Liebe Grüüüße

    • Antworten

      Komm' wir machen das einfach

      August 14, 2017

      Huhu Laura!

      Wenn du morgen nochmal dort anrufst, wirst du wieder ganz andere Infos bekommen 😀
      Aber Spott beiseite…damals bekam ich an der Hotline ungelogen 3 verschiedene Aussagen darüber. Die Aussage, ich müsse am Tag der Arbeitslosigkeit nicht in Deutschland sein, kam damals von meinem Sachbearbeiter. Tatsächlich ist der Punkt aber wohl strittig, weswegen ich den Text nun etwas angepasst habe. Letztendlich hat dein/e Sachbearbeiter/in das letzte Wort. Ob ich einfach nur einen lockeren Sachbearbeiter hatte der diese Sinnlosigkeit eingesehen hat oder ob man wirklich nicht in Deutschland sein muss, kann ich leider auch nicht beantworten. Wie gesagt, es sind einfach zu viele unterschiedliche Aussagen im Raum.

      Wir sind auf deine weiteren Erfahrungen gespannt! Wäre toll wenn du uns sagst wie es bei dir letztendlich ablief.

      Liebe Grüüüüße zurück!
      Marco

  3. Antworten

    maria

    Oktober 28, 2017

    Hi ihr zwei,

    vielen Dank, dass ihr das alles hier teilt. Sehr inspirierend, aber auch sehr aufschlussreich!
    Leider habe ich noch ein paar Fragen und da Eure Beiträge das Beste sind, was ich zu dem ganzen Thema finde, wende ich mich damit an Euch:
    Ich habe meinen Job zum 30.11.2017 gekündigt und plane nun, erstmal das Ersparte endlich in längere Reisen zu stecken. Bei mir ist zwar keine Weltreise drin, aber drei Monate sollen es schon mindestens sein, was sich ja auch mit der Sperrzeit gut trifft. Ich habe mich bereits arbeitssuchend gemeldet. Am 13. November ist dank Resturlaub mein letzter Arbeitstag, am 18. November verreise ich. Ähnlich Marco stehe ich also de facto am entscheidenden 1. Dezember dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung. Grundsätzlich möchte ich mit offenen Karten spielen und keine Leistungen bekommen, auf die ich keinen Anspruch habe. Da es aber durchaus sein kann, dass ich nicht an einen so unkomplizierten Sachbearbeiter wie ihr gerate, überlege ich, ob ich das Datum meiner Abreise überhaupt offenlege. In jedem Fall melde ich mich am 2. Dezember (online?) wieder ab und würde dies dem Sachbearbeiter auch bei dem Gespräch am 15. November ankündigen – aber gibt es irgendeinen Punkt, an dem man Flugtickets oder Visa-Stempel vorlegen muss? Wisst ihr das zufällig?
    Außerdem bin ich zwischendurch wieder zu Hause wegen Weihnachten und reise erst am 10. Januar weiter. Muss ich mich nach meiner Rückkehr am 21. Dezember auch melden, oder reicht es, wenn ich dann irgendwann (eventuell sogar noch während der Sperrzeit) wieder komme?
    Mir ist klar, dass ich für Kranken- und Rentenversicherung in der Zeit selbst aufkommen muss.
    Es wäre klasse, von Euch zu hören. Verstehe aber auch, dass das schon sehr konkrete Fragen sind.

    Danke und ganz liebe Grüße
    Maria

  4. Antworten

    Henry

    Dezember 25, 2018

    Bei der vorliegenden Fallkonstellation ist der korrekte Weg, sich am ersten Tag der Rückkehr nach Hause sich für den Zeitraum in Deutschland arbeitslos zu melden. Denn arbeitslos ist nur, wer der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht, dh. persönlich (!!) an jedem Werktag an seinem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt unter der von ihm benannten Anschrift (Wohnung) von der Arbeitsagentur durch Briefpost erreichbar ist. Ausnahme: wenn der Arbeitslose die an einem Samstag oder an einem Tag vor einem gesetzlichen Feiertag eingehende Post erst am folgenden Sonn­ bzw. Feiertag zur Kenntnis nehmen kann (§ 1 Absatz 1 der Erreichbarkeits-Anordnung der Bundesagentur für Arbeit). D. h. bei einem Auslandsaufenthalt, der über das Wochenende/den Feiertag hinausgeht liegt keine Verfügbarkeit vor. Daher kann das sogenannte Stammrecht = Grundanspruch auf Arbeitslosengeld (Alg) nicht entstehen. Zu: „…überlege ich, ob ich das Datum meiner Abreise überhaupt offenlege“: Das Verschweigen der Ortsabwesenheit kann als Ordnungswidrigkeit gewertet werden.
    Der Grundanspruch auf Alg wird also richtig festgestellt für den ersten Tag, an dem die Anspruchsgrundlagen gemäß §§ 137, 138 Absatz 1 SGB III erfüllt sind, ab diesem Tag läuft auch die 4-Jahres-Frist, innerhalb dessen der festgestellte Anspruch noch geltend gemacht werden kann. Unabhängig davon läuft eine eventuelle Sperrfrist immer vom Tag des sperrzeitbegründenden Ereignisses (hier 1.12.) kalendermäßig ab.
    Ob bei der Arbeitsagentur Nachweise über Abreise/Rückkehr vorzulegen sind, ist eine Einzelfallentscheidung und davon abhängig, ob Verdachtsmomente für falsche Angabe bekannt werden.
    Zur Krankenversicherung: bis zu einem Monat nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses besteht für gesetzlich Versicherte ein sogenannter „nachgehender Leistungsanspruch“, § 19 Absatz 2 SGB V.

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