Reisegefühle

Alleine reisen – Laura von Placeless im Interview

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Alleinre reisen – das kommt vielen Menschen gar nicht in die Tüte. Viele haben Angst vor der Einsamkeit und sind noch nicht bereit für solch ein großes Abenteuer. Marco und ich reisen seit Beginn an gemeinsam, können uns aber durchaus vorstellen, auch mal getrennt und alleine zu verreisen. Die Zeit ist viel zu kostbar um sie zu verschwenden. Worauf soll man schon warten? Man muss sich auch mal trauen und getreu unserem Motto: „Komm‘ ich mach das jetzt einfach!“ ins Ungewisse springen und sich überraschen lassen.


Weltenbummlerin Laura von Placeless

Um dir Mut zu machen, dich zu motivieren und dir einen Anstoß zu geben, haben wir uns umgehört und einige Weltenbummler zu diesem Thema befragt. Heute ist Laura vom Blog Placeless an der Reihe. Laura hat sich 2016 kopfüber in ein neues Abenteuer gestürzt und ist mit ihrem Handgepäck einfach losgezogen. Sie gehört auch zur Generation: „Ich arbeite von unterwegs aus“ und ermöglicht sich damit, ein freies und meist selbstbestimmtes Leben.

Auf ihren Reisen lässt sich Laura inspirieren und vor allem aber treiben. Und so passiert es auch öfter mal, dass sie sich in einen Ort verliebt und spontan entscheidet, dort etwas mehr Zeit zu verbringen. Warum sollte man auch von Land zu Land hetzen, nur um irgendeine Liste abzuhaken? Laura genießt und dringt dabei viel tiefer in die Kulturen der einzelnen Länder ein. Und getreu ihrem Motto: „Liebe Dich selbst, alleine Reisen kann traumhaft sein“ wird sie dir heute ein paar Fragen beantworten. Willkommen an Bord Laura! ♡


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Die liebe Laura von Placeless

1. Alleine reisen – ein spannendes Thema. Wie war es bei dir? Was war der Auslöser, dass du irgendwann einfach alleine losgezogen bist?

Alleine reisen ist wundervoll. Ich liebe es. Die Freiheit das tun zu können, was ich genau in diesem Moment machen möchte ist super. Ich kann essen wann ich will, ich kann schlafen gehen wann ich will und keiner meckert, wenn ich mal nicht so gut drauf bin und Zeit für mich brauche. Ich denke genau das war der Auslöser, denn ich wollte die pure Freiheit.


2. Hattest du Angst und Bedenken, alleine auf Reisen zu gehen? Was hat deine Familie dazu gesagt?

Natürlich hatte ich Ängste alleine auf Reisen zu gehen. Aber die Sehnsucht war einfach stärker. Meine größten Ängste galten allerdings nicht der Einsamkeit sondern eher dem Finanziellen. Unterwegs arbeiten und Co. habe ich mir nicht so einfach vorgestellt, ist es auch nicht, aber es ist gut machbar und letztendlich wundervoll. Die Einsamkeit hat mir keine Sorgen bereitet, weil ich generell ein offener Mensch bin und ich denke, jeder, der vor seiner Reise eher introvertiert ist, hat es einfach, seine Persönlichkeit etwas in die extrovertierte Richtung zu entwickeln.

Ich habe mir Sorgen gemacht, dass ich meine Lieblingsmenschen zu Hause sehr vermissen werden. Und das ist auch tatsächlich so. Aber ich habe großes Glück mit meinen Freunden und auch meiner Familie. Die meisten kamen mich bereits nach einigen Monaten besuchen, was wundervoll war. Meine Familie unterstützt mich total, auch wenn sie natürlich traurig ist. Mama hat drei Wochen über Silvester mit mir in Kambodscha verbracht und mein Dad hat extra ein Zimmer für mich zu Hause eingerichtet, so dass ich wirklich jederzeit und immer willkommen bin. Meine Familie gibt mir super viel Halt und stärkt mich! (Danke!)


3. Hattest du bei all deinen Reisen jemals Probleme in einem Land, weil du alleine unterwegs warst? Oder verlief immer alles reibungslos?

Ich habe seitdem ich Deutschland verlassen habe einige Länder bereist, aber auch davor war ich viel in der Welt unterwegs, auch wenn es dann immer maximal 4 Wochen am Stück waren. Meine Eltern hatten ein paar mini Sorgen glaube ich, aber tatsächlich wurde ich immer total super behandelt. Auch das Thema „alleine als Frau“ stellte mich niemals vor eine größere Herausforderung. Allerdings habe ich den afrikanischen Kontinent zum Beispiel noch nicht alleine bereist.

Dort könnte ich mir vorstellen, dass es Herausforderungen geben könnte, ganz einfach aufgrund der Kultur. Das würde mich aber keinesfalls davon abhalten, irgendwann einmal dorthin zu reisen. Ich denke mit dem richtigen Fingerspitzengefühl kann man sich überall einleben und in die Gesellschaft einfügen – ganz ohne größere Probleme. Ich glaube nach wie vor, dass die größte Herausforderung beim Alleine Reisen in einem selber steckt. Man findet Lösungen nicht im Umfeld, sondern in sich selbst.


4. Viele haben Angst vor der Einsamkeit. Wie war es bei dir? Hast du dich auch mal einsam gefühlt auf deinen Reisen?

Ich hatte keine Angst vor der Einsamkeit, denn ich verbringe auch gern Zeit mit mir selber. Wenn ich keine Lust auf Menschen habe, dann genieße ich auch gern mal einen romantischen Abend mit meiner spannenden Persönlichkeit und zünde mir ein paar Kerzen an, trinke ein Glas Wein und lese ein Buch. Es liegt an mir selber, ob ich Abende alleine als „einsam“ empfinde oder sie zu einem schönen Erlebnis mache. Wenn ich unterwegs bin, lerne ich unglaublich viele Menschen kennen und viele sind auch allein unterwegs. So muss man sich eher ab und an auch Raum und Zeit für sich selbst (und die Arbeit) nehmen.


5. Unterwegs keine Freunde finden! Was denkst du darüber? Ist es schwierig, auf Reisen in den Kontakt mit anderen zu treten?

Das war für mich nie ein Problem. Ich bin ein aufgeschlossener Mensch, trage mein Herz manchmal auf der Zunge, aber habe immer ein Lächeln auf den Lippen. Auch für Menschen, die es nicht so einfach finden, einfach andere Reisende anzusprechen oder ins Gespräch zu kommen, gibt es eine tolle Lösung: In vielen Facebook Gruppen vernetzen und verabreden sich Alleinreisende für Unternehmungen. Wer also nicht alleine sein möchte, der muss es definitiv auch nicht.


6. Welche Tipps kannst du den Leuten mit auf den Weg geben, die sich nicht trauen oder noch Angst vor Veränderungen haben?

Bevor ich Deutschland verlassen habe, habe ich mir immer folgende Frage gestellt: Was ist schwieriger? Den Schritt der Langzeitreise zu wagen oder zu Hause mit dem Alltagstrott weiterzumachen? Bei mir war die Schmerzgrenze irgendwann überschritten. Die Angst, Sicherheiten zurückzulassen war viel, viel kleiner, als der Wunsch Neues zu entdecken und die Welt zu bereisen.

Letztendlich hatte ich auch nichts zu verlieren. Der Job war gekündigt, aber ich würde immer wieder einen neuen Job finden (und wenn es nur um die Existenz geht, dann reicht ein Aushilfsjob in der Bäckerei und einer im Sonnenstudio, um überleben zu können). Mein Auto hatte ich verkauft, öffentliche Verkehrsmittel waren immer voll ok für mich und meine Freunde und Familie, die würden ja nicht weglaufen. Was hatte ich also zu verlieren?


7. Viele Momente hättest du sicherlich nie erlebt, wenn du nicht einfach losgezogen wärst. Kannst du uns einen dieser Momente verraten? Ein Moment, der für immer unvergessen bleibt? 

Ein wundervoller Moment war in Laos (Asien), als ich von zwei einheimischen Jungs durch den Dschungel und die Caves (Höhlen) geführt wurde. Die beiden konnten kein Englisch, dafür verstanden sie Spaß und Zeichensprache. Es war unglaublich toll und das Gebiet total unerschlossen. Ich habe mich einfach auf die zwei Jungs verlassen. Ich glaube sie waren gerade einmal 7 und 9 Jahre alt! Am Ende hatte ich einen grandiosen Tag mitten in Laos mit ihnen.

Ein anderer wirklich toller Moment war in Kambodscha, dort habe ich zum ersten Mal das leuchtende Plankton im Meer gesehen. Zwei englische Auswanderer haben sich ins Wasser gestellt und sich wie wild bewegt, um das Plankton für mich sichtbar zu machen, bevor wir dann alle zusammen im Meer geschwommen sind. Es war so unglaublich: die Sterne im Meer und das Leuchten am Himmel, ganz wie im Märchen. Einen solchen Moment hatte ich dann noch einmal mit meiner Freundin, die mich in Kambodscha besuchte. Und es ist schon wirklich wundervoll, solche Momente auch mit vertrauten Personen teilen zu dürfen.

Insgesamt möchte ich nicht einen Moment meiner Reise missen und würde jederzeit wieder meinen Handgepäcks-Rucksack packen und verkünden, dass ich auf Weltreise gehe. Ob ich die ganze Welt sehe? Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß ist, dass ich meine Welt erkunde und das ganz so wie es mir gefällt.


Wie du siehst ist es gar nicht so schlimm, einfach mal alleine loszuziehen. Viele andere vor dir haben es gemacht und bis heute nicht bereut. Man kann noch so viel planen und organisieren, am Ende kommt meist doch alles anders als man denkt. Genau wie Laura es schon sagte: „Liebe Dich selbst, alleine Reisen kann traumhaft sein“!


Auf unserer Seite “Kunterbunt” findest du weitere Interviews und Beiträge, die irgendwie aus der Reihe tanzen. Dort findest du u.a. auch unsere Jahresrückblicke, unser großes FAQ und die Geschichte, wie wir uns eigentlich kennengelernt haben.

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